
Das Evangelische Gemeindezentrum in Wardenburg: Austragungsort des Frühjahrs-NAFTs 2007
Kein überregionales Treffen in
Norddeutschland hat eine so lange Tradition wie das NAFT, das norddeutsche
Astrofotografentreffen: Seit Ende 1977 bzw. Anfang 1978 kommen an wechselnde
Orten Sternfreunde in einem etwa halbjährlichen Rhythmus zusammen, um sich
gegenseitig ihre neuesten astrofotografischen Ergebnisse vorzustellen. Der
Treffpunkt im Frühjahr 2007 war einmal mehr das evangelische Gemeindehaus in
Oldenburg, Ausrichter die Astronomische Vereinigung Oldenburger Sternfreunde
e.V.
Im Vorfeld hatten Christian Harder und ich verabredet, dass wir uns in Sittensen treffen und von dort aus gemeinsam nach Wardenburg weiterfahren würden. Ziemlich genau um 09:45 Uhr holte ich Michael Steen vom U/S–Bahnhof Berliner Tor ab und kurz hinter Hittfeld machten wir auf einem Parkplatz eine kurze Rast, die ich dazu nutzte, meinen kleinen 80/400er Refraktor auf die Sonne auszurichten, nur um festzustellen, dass die kleine AR 10949, eine winzige A–Gruppe, die ich einen Tag vorher noch sehen konnte, verschwunden war, die Sonne war also wieder einmal fleckenfrei.
Gegen 10:30 Uhr trafen
wir in Sittensen ein, 15 Minuten später kam auch Christian. Natürlich suchten
wir vor der Fortsetzung der Fahrt mit Christians Astromobil erst einmal unseren
Kultbäcker auf, um uns mit kleinen Köstlichkeiten zu versorgen. Sichtlich gestärkt
kamen wir kurz nach 12 Uhr in der kleinen ostfriesischen Gemeinde an. Kurios: In
Wardenburg fuhr plötzlich ein VW Passat mit Friedländer Autokennzeichen vor
uns her. An der Heckscheibe klebte ein Button der Nürnberger Amateurastronomen
(NAA), die Deutschlands bekannteste Astromailingliste betreiben. Wir folgten ihm
kurz, was aber ein Fehler war, denn der Fahrer hatte anscheinend gar keine
Absicht, das NAFT zu besuchen!
Wenige Augenblicke später
standen wir vor dem Gemeindehaus. Die Sternfreunde um Bernward Große und Frank
Wierny waren seit etwa 11 Uhr mit der Herrichtung des Gemeindesaals beschäftigt,
die kleine Küche hatte schon auf und in einem Ausstellungsraum war der Stand von Gerd
Neumanns Firma
aufgebaut und geöffnet. Christian legte ein paar Sternkieker aus; im Laufe des Tages kam noch ein weiterer privater Anbieter hinzu.
Nur langsam erhöhte sich die Zahl der anwesenden Besucherinnen und Besucher, die anfangs nur bei etwas mehr als 20 lag. Auch die Zahl der vorgesehenen Vorträge war zunächst nur wenig üppig, weswegen deren Beginn auch auf 13:30 Uhr verschoben wurde: Mehr Zeit zur Kontaktpflege mit alten Bekannten und zur Einnahme kleinerer Mahlzeiten aus der Cafeteria!
Frank Wierny eröffnete schließlich
den Vortragsteil des NAFT mit dem Thema: „Astrofotografie gestern und heute
– analog und digital“ und stellte eindrucksvoll dar, wie sehr sich die
Bedingungen für die Astrofotografen in den letzten Jahren geändert haben.
Musste man früher für lichtschwache Deepsky–Objekte unter typisch
norddeutschem Himmel 40 und mehr Minuten pro Bild belichten, genügen heute
schon 10 Minuten für eine einzelne Aufnahme. Sollen allerdings mehrere Bilder
addiert oder ein LRGB–Bild erstellt werden, ist die gleiche Zeit wie früher
anzusetzen, zusätzlich zum Aufwand der Bildbearbeitung. Dennoch sind die
Ergebnisse heutiger digitaler Spiegelreflex– und CCD–Kameras von deutlich
besserer Qualität, da sie bei gleicher Belichtungszeit erheblich mehr Details
offenbaren können, als der analoge Film. Schön anzusehen war zudem die
Animation eines Sonnenuntergangs über der Nordsee von Borkum aus.
Harald Simon führte im zweiten
Vortrag Tipps und Tricks bei der Bearbeitung von Sonnenvideos mit Registax 4.0
vor, und kombinierte in Photoshop Hα–Aufnahmen der Sonnenoberfläche mit
Protuberanzenfotos vom Sonnenrand. Überdies stellte er sein Teleskop und seine
sehr stabile Montierung vor.
Christian Harder präsentierte
viele fotografische Ergebnisse der letzten Zeit. Es waren hauptsächlich
Aufnahmen von Kometen, neben McNaught auch einige andere, deutlich lichtschwächere
Exemplare dieser Gattung von Sonnensystemobjekten. Bilder vom letzten
Internationalen HeideTreffen (IHT), oder einer SAZ („Spontane Astronomische
Zusammenrottung“) sowie der in der Lüneburger Heider teilweise gut
sichtbaren Mondfinsternis vom 03./04.03.2007 durften dabei nicht fehlen.
Im letzten Referat vor der
ersten Pause konnte ich einige Mondbilder aus der Schönwetterkatastrophe Mitte
März, die ich mit meinem 90/1000er Refraktor aufgenommen hatte, Fotos vom
Saturn, die am GvA–C8 in Neu–Allermöhe gewonnen wurden und einige
Stimmungsbilder von Venus am Abendhimmel oder den Schweifstreamern des Kometen
McNaught vorführen.
In der Pause wurde dann weiter
geklönt, oder der mittlerweile aufgebaute weitere Stand besucht.
Inzwischen war auch die Besucherzahl weiter leicht angestiegen. Bevor das
Programm fortgesetzt wurde, versammelten wir uns alle im Garten des
Evangelischen Gemeindezentrums zum traditionellen Gruppenfoto.
Gerd Neumann beschrieb in seinem
Referat, wie sehr sich seine astronomische Situation nach dem Umzug von Hamburg
nach Münster verbessert hat. An diesem neuen Standort ist ihm erstmals
ausgiebige Astrofotografie auch von zu Hause aus möglich, wie er anhand von
Aufnahmen von M 76, M 1 oder NGC 2903 bewies, die allesamt mit einer CCD–Kamera
gewonnen wurden. Staunend betrachtete das Publikum auch seine hochauflösenden
Aufnahmen von Monddetails und dem Planeten Saturn, die mit einer Webcam
entstanden sind.
Konstantin von Poschinger begann
seine Ausführungen mit einigen wundervollen Naturaufnahmen aus dem letzten
Skiurlaub, bevor er zu Astrofotos aus Murnau überleitete, zu denen viele eher
selten fotografierte Nebel und Galaxien, aber auch Bekanntes wie NGC 4594 oder M
42 gehörten. Den letzten Teil nahmen Bilder aus dem lichtverseuchten Hamburg
ein, die er unter Zuhilfenahme eines Hα–Filters aufnehmen konnte und die
erstaunlich viel Detail aufwiesen.
Danach rief Bernward Große die
nächste große Pause aus, die wiederum zur Nahrungs– und Getränkeaufnahme
und Erfahrungsaustauschen genutzt wurden. Zudem lud das immer noch schöne und
Warme Frühlingswetter dazu ein, die Pause mit dem Kaffeebecher in der einen und einem Stück
Kuchen in der anderen Hand im Freien zu verbringen. Die Zahl der Besucherinnen
und Besucher war nun auf fast 40 angestiegen.
Nach der Pause läutete Hartwig
Lüthen den letzten Vortragsblock ein. Er stellte kurz seine Balkonsternwarte in
Hamburg–Altona, seine Instrumente sowie die in der letzten Zeit häufiger von
ihm verwendete Philips ToUCam, die neue DMK–Kamera und Umbaumöglichkeiten der
Canon EOS 350D zur Astrokamera vor. Natürlich durften einige seiner schon auf
GvA–Veranstaltungen vorgeführten Ergebnisse von fotografischen Mond–,
Saturn– und ISS–Beobachtungen nicht fehlen. Mit dabei waren auch Bilder des
Kometen McNaught und von der totalen Mondfinsternis vom 03./04.03.2007.
Michael Mushardt warb anschließend
für Teleskoptreffen und Astrourlaube im Hotel Parador in den Canadas auf
Teneriffa, wo vor einigen Jahren Klaus–Peter Schröder und Rod Greening durch
das Aufstellen von Montierungen und Teleskopen Möglichkeiten für ambitionierte
und ernsthafte Amateurastronomen zur Astrofotografie unter dunklem Himmel
geschaffen haben (der „Fuhrpark“ wurde gerade erst erweitert).
Ein Reisebericht bildete den krönenden
Abschluss dieses Fototreffens: Jens Meyer hat im letzten Winter eine Fahrt mit
den Hurtigrouten nach Nordnorwegen unternommen und dabei viele Polarlichter von
Land und vom Schiff aus fotografiert. Die Ergebnisse entlockten vielen Zuhörerinnen
und Zuhörern so manches „Ah“ und „Oh!“
Gegen 17:30 Uhr war das NAFT
dann offiziell zu Ende. Wer konnte und wollte, hatte danach noch die
Gelegenheit, ab 19 Uhr in einem Wardenburger Lokal weiter zu klönen,
Astrovideos am Rechner zu verarbeiten oder einfach sich vor der Heimfahrt noch
einmal zu stärken. Wir traten jedoch alsbald die Heimreise an.
Erfreulich an diesem NAFT war
die Vielzahl von Beiträgen von GvA–Mitgliedern. Auch war zu beobachten, dass
dieses Mal keine Dias mehr vorgeführt wurden und nur Beamer–Vorträge
angemeldet waren. „Analog ist tot!“ wie es in einem der Beiträge hieß und
das ist wohl anscheinend tatsächlich auch der Fall. Was aber vor diesem
Hintergrund erstaunt: Nur wenige außer den „üblichen Verdächtigen“
zeigten überhaupt Bilder. Dabei ist doch gerade das NAFT DAS Forum zum reinen
Bilderzeigen schlechthin, ohne dass man hierzu großartig einen Vortrag
vorbereiten muss. Durch die starke Verbreitung digitaler Spiegelreflexkameras
machen heute viel mehr Sternfreunde Astrofotos hoher Qualität, wie Eintragungen
in den Foren bei Astronomie.de und Astrotreff.de belegen. Aber warum werden
diese nicht auf dem NAFT präsentiert? Trauen sich viele Sternfreunde nicht,
ihre Bilder vorzuführen?
Die NAFTs sind stets auch für
Einsteiger eine gute Möglichkeit, mit ihren ersten Astrobildern an die Öffentlichkeit
zu treten und sich jeden Menge Anregungen für die eigene Arbeit zu holen. Die nächste
Gelegenheit hierzu ergibt sich beim Herbsttreffen, voraussichtlich in Hannover,
der genaue Termin wird rechtzeitig auf der NAFT–Website http://www.naft.de
bekannt gegeben.
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