LIBERTY BELL 7 (MR-4)

Missionsname: Mercury-Redstone 4
Eigenname: Liberty Bell 7
Besatzung: Virgil "Gus" Grissom, Ersatzpilot: John H. Glenn
Start: 21. Juli 1961, 7.20 Uhr Ortszeit
Landung: 21. Juli 1961, 7.35 Uhr Ortszeit
Missionsdauer: 15 Minuten, 37 Sekunden
Missionsbeschreibung:

Auch der zweite Ausflug eines Amerikaners in den Weltraum war ein rein ballistischer Flug, bei dem zwischen dem Start in Cape Canaveral und der Landung im Atlantischen Ozean, 832 km nordwestlich der Bahama-Insel Grand Turk Island insgesamt 190,3 km zurückgelegt wurden.

Auch hier gab es wieder Startverschiebungen. Ursprünglich sollte die Mission am 18. Juli beginnen, doch schlechtes Wetter verhinderte den Start. Der nächste Versuch am 19. Juli wurde bei T-10 Minuten aus gleichen Gründen abgesagt. Doch zwei Tage später war es dann endlich soweit. Während des Countdowns hatte es mehrere Unterbrechungen, teilweise aufgrund von Überprüfungen an der REDSTONE-Rakete, teilweise aber auch aus anderen Gründen gegeben. Bei T - 45 Minuten. Bei T-30 Minuten gab es einen neunminütigen Stop, da einer der Suchscheinwerfer ausgefallen war, der die auf dem Starttisch stehende Rakete beleuchtete.
Beim lift-off saß Gus Grissom bereits seit 3 Stunden und 22 Minuten in der engen MERCURY-Kapsel. Die Rakete hob in einem Bilderbuchstart ab. Nach wenigen Sekunden Flugdauer bemerkte auch Grissom ein leichtes Vibrieren der Kapsel, das aber nach weiteren Sekunden vorüberging. Die Lebenserhaltungssysteme arbeiteten normal. Grissom wurde mit einem Andruck von 3 g in den Kontursitz gepreßt. 2 Minuten, 22 Sekunden nach dem Start war die Schwerkraft an Bord der Kapsel auf 0 herabgesunken. Durch das Seitenfenster konnte Grissom die unter ihm dahingleitende blaue Oberfläche der Erde beobachten, was er auch entsprechend begeistert dem in Mercury-Control sitzenden John Glenn kommentierte.
10 Sekunden nach Erreichen der Umlaufbahn wurde die Trägerrakete abgetrennt. Er wendete die Kapsel um 180°, um mit dem Hitzeschild voran zu fliegen. Auch er führte, wie Shepard, nur ganz wenige Experimente aus und war das eigentliche Versuchsobjekt. Über verschiedene Sensorien wurde in der Bodenstation Blutdruck, Körpertemperatur, Pulsfrequenz etc. während des Aufstiegs und in der Schwerelosigkeit gemessen. Zu seinen Aufgaben zählten u. a. Rollmanöver um die Längsachse des Raumschiffs, wodurch er in die Position geriet, daß er Merritt Island und West Palm Beach beobachtete.

Kurz nach Erreichen der Gipfelhöhe wurde die Rückkehr zur Erde eingeleitet. Die Rückführung wurde automatisch in einem Winkel von 14° vorgenommen, der Fallschirm öffnete planmäßig und nach 15 Minuten und 37 Sekunden wasserte die MERCURY-Kapsel im Atlantischen Ozean, 5 km vom Zielgebiet entfernt, in der Nähe des Flugzeugträgers RANDOLPH.
Während Grissom sich mit einem Fettstift die einzelnen Schalterstellungen in der Kapsel notierte und darauf wartete, von den Froschmännern des bereits über ihm kreisenden Helikopter HUNT CLUB 1 geborgen zu werden, wurde plötzlich die Kabinentür aufgesprengt. Wasser drang in das Innere der Kapsel, die daraufhin sehr schnell zu sinken begann. Niemand hatte bis zu diesem Zeitpunkt mit einer derartigen Gefahr gerechnet. Doch das war noch nicht alles, da sich Grissom zwar rechtzeitig aus der Kapsel retten konnte, gleichzeitig aber vergessen hatte, ein Sauerstoff-Einlaßventil seines Raumanzuges zu schließen, füllte dieser sich nun ebenfalls mit Wasser. Verzweifelt winkte er um Hilfe, doch die herbeieilenden Froschmänner werteten dies als Begrüßung. Fast zu spät bemerkten sie, in welcher Notlage sich der Astronaut befand.

Das Rettungsteam packte Grissom, zog ihn hoch und brachte ihn an Bord des Hubschraubers. Grissom war nach seiner Rettung einem Nervenzusammenbruch nahe. Doch es ging noch weiter. Der Helikopter versuchte, die langsam versinkende Kapsel mit Hilfe eines Stahlseiles zu bergen, doch war diese mittlerweile aufgrund des eingedrungenen Wassers zu schwer für ihn geworden. Im Cockpit leuchteten die Warnlampen auf, die Maschine stand kurz vor dem Absturz. Also mußte sie schweren Herzens ausgeklinkt werden. Sie versank nun endgültig im Atlantischen Ozean, der an dieser Stelle fast 5000 m tief ist.

Die anschließend einberaumte Untersuchung konnte die Ursache für das Absprengen der Kabinentür nicht eindeutig klären. Grissom bestritt, den entsprechenden Schalter betätigt zu haben. Auch an ein versehentliches Berühren, als er nach dem Schreiber griff, schied nach seiner Aussage aus. So blieb der NASA nichts weiteres übrig, als zusätzliche Sicherungsmaßnahmen gegen ein unbeabsichtigtes, vorzeitiges Öffnen der Tür zu treffen.


FREEDOM 7 (MR-3)
FRIENDSHIP 7 (MA-6)
AURORA 7 (MA-7)
SIGMA 7 (MA-8)
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