Was ist eine Mondfinsternis?

Vorwort

Mondfinsternisse sind in der Regel nicht so faszinierend und atemberaubend wie Sonnenfinsternisse, doch auch sie sind sehr beobachtenswerte Naturerscheinungen. Es sollen hier kurz die Vorbedingungen erläutert werden, die erfüllt sein müssen, damit man überhaupt eine Verfinsterung der Erdtrabanten beobachten kann.

Vorbedingungen

Steht der Mond in gerader Linie zwischen Sonne und Erde (Neumondstellung), kann es zu einer totalen, partiellen oder ringförmigen Sonnenfinsternis kommen - je nach Abstand des Mondes zur Erde und des sich daraus ergebenden scheinbaren Monddurchmessers. Befindet sich nun die Erde zwischen Sonne und Mond (Vollmondstellung), können wir eine totale oder partielle Mondfinsternis beobachten.

Da wir jedoch nicht bei jeder Voll- oder Neumondstellung eine Finsternis erleben, müssen bestimmte Bedingungen vorgegeben sein, um ein Zustandekommen zu ermöglichen. Es kann eine Mondfinsternis nur bei Vollmond, eine Sonnenfinsternis hingegen nur bei Neumond eintreten. Aber warum gibt es nun nicht einmal monatlich eine Mondfinsternis am Himmel zu bewundern?

Die Bahn des Mondes ist gegen die der Erde um etwa 5° geneigt; die Schnittpunkte beider Bahnen werden Mondbahnknoten genannt. Der Mond muß sich nun in seinem aufsteigenden (wenn er vom südlichen Teil der Ekliptik in den nördlichen wechselt) oder absteigenden (wenn er von Nord nach Süd die Ekliptik überschreitet) Knoten aufhalten, damit eine Mondfinsternis überhaupt möglich wird.

Die Bahn des Mondes um die Erde hat, im Gegensatz zu den Planetenbahnen, keine elliptische Form, sondern ähnelt mehr einer Schlangenlinie, da der Mond, um nach einer Erdumrundung die Bedingungen für den Vollmond wiederholen zu können, der Bahn der Erde regelrecht hinterherlaufen muß.

Von einem Durchgang durch den aufsteigenden Mondbahnknoten zum nächsten benötigt der Mond rund 27 Tage (drakonischer Monat) von einem Vollmond zum nächsten dauert es aber 29,5 Tage (synodischen Monat). Aufgrund dieser 2-Tage-Differenz kommt es nicht jeden Monat zu einer Mondfinsternis. Hinzu kommt, daß der Mondbahnknoten auf der Ekliptik rückläufig um die Erde wandert und zwar mit einem Wert von 19,3° jährlich. Daraus ergibt sich, daß nach Ablauf von 18,6 Jahren die gleichen Bedingungen auftreten.

Partielle und totale Mondfinsternisse

Die Erde wird von der Sonne angestrahlt und wirft hinter sich auf der Nachtseite einen kegelförmigen Schatten in den Raum. Meist geht der Mond aufgrund seiner Bahnneigung etwas über ihn hinweg oder unter ihn hindurch.

Der Erdschatten ist unterteilt in einen Kern- und einen Halbschatten. Wenn der Mond nun nicht voll durch den Kernschatten hindurchgeht, ihn also nur streift, beobachten wir eine partielle, bei einem vollen Durchgang eine totale Mondfinsternis. Seltener sind hingegen sog. Halbschattenfinsternisse, bei denen der Mond lediglich in den Halbschatten der Erde eintaucht.

Im Gegensatz zu den Sonnenfinsternissen ist diese auf der gesamten Nachthälfte der Erde gleich gut zu sehen, abgesehen von regional unterschiedlichen Wetterbedingungen. Bei Sonnenfinsternissen ist der Kernschatten des Mondes zu klein, um die ganze Erde bedecken zu können. Von der sog. ,,Totalitätszone" werden immer nur winzige, streifenförmige Bereiche der Erdoberfläche getroffen.

Der Mond erscheint bei totalen Finsternissen während der Totalität rötlich, weil von der Sonne kommende Lichtstrahlen an der oberen Atmosphäre wie bei einem Prisma gebrochen und der langweilige rote Teil des Sonnenlichtes in den irdischen Kernschatten hineingelenkt werden. Auch bei partiellen Finsternissen kann der Mond leicht rötlich erscheinen, je nachdem, wie weit er in den Kernschatten hineinragt. Dieser typisch rötliche Glanz ist jedoch von Finsternis zu Finsternis recht unterschiedlich intensiv und eng verknüpft mit den atmosphärischen Bedingungen in den obersten Schichten unserer Lufthülle. Nach Vulkanausbrüchen, wie dem Pinatubo 1997, kann es passieren, daß die nachfolgenden Mondfinsternisse eher dunkel erscheinen, durch in den oberen Bereich der Stratosphäre gewirbelten Staub und Aerosole.

Folgende Mondfinsternisse habe ich selbst beobachtet:

9. Januar 1982 (total)
28. Oktober 1985 (total)
9. Februar 1990 (total)
9./10. Dezember 1992 (total)
3./4. April 1996 (total)
16. September 1997 (total)
21. Januar 2000 (total)
9. Januar 2001 (total)
16. Mai 2003 (total)

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