Regen, Sturm und ein Kometenschweif

Am 20.01.2007 folgte ich einer Einladung Christian Harders nach Fintel. Bei strömendem Regen und Sturm, der auf der Autobahn heftiges Gegenlenken erforderte, kämpfte ich mich regelrecht in die Nordheide vor. Als ich bei Hollenstedt die Autobahn verlassen hatte, wurde der Regen immer weniger und bald zeigten die Wolken erste Strukturen. Doch es sollte noch besser kommen.

Im Wetterbericht von NDR 2 war unterwegs zu hören, das wir noch zwei Stunden Sonnenschein bekommen sollten und in der Nacht ein neues Regengebiet über Norddeutschland hereinbrechen sollte. Allerdings, jedes Mal wenn ich in der letzten Zeit in Fintel war, wurde es klar ...

Die Aussichten waren also alles andere als rosig. Im Westen sahen wir ein größeres Wolkenloch, doch dahinter kam wieder Wolkenschleim und die Lücke driftete ab nach Norden. Für eine Sonnenbeobachtung wurde es langsam zu spät.

Wir sahen uns daher auf DVD zwei Folgen der Serie „From The Earth To The Moon“ über APOLLO 15 und 16 an und irgendwann meinte Christian, er könne die schmale Mondsichel sehen. Ein Blick aus dem Dachfenster bestätigte dies. Wir packten schnell unsere Astrosachen zusammen, um das zu fotografieren, zumal darüber die Venus sichtbar war und fuhren auf einen Feldweg nahe Fintel, der von Regen und Sturm aufgeweicht und matschig war. Mein erster Schritt aus dem Auto landete daher prompt mitten in einer dicken Pfütze.

Von Westen her zeigten sich immer mehr Wolkenlücken. Wir stellten unsere Canon 350 Ds auf Fotostative und lichteten erst mal die Szenerie mit Mondsichel und Venus ab. Dabei ergab sich für mich, wo ich an diesem Abend das erste Mal Astrofotos auf diese Weise mit der DSLR aufnahm, die Schwierigkeit, das Bild richtig scharf zu stellen. Aber dank der Mondsichel funktionierte es ganz passabel. Irgendwann meinte Christian, er würde einzelne Streamer vom Schweif des Kometen McNaught sehen. In der Tat war er nach dem Periheldurchgang nochmals heller geworden geworden, allerdings auf der Südhalbkugel der Erde, von wo aus das Internet immer mehr Aufsehen erregende Aufnahmen erreichte.

Wir machten in der Dämmerung einige Probeaufnahmen und tatsächlich: Da waren mindestens vier dicke Ausläufer des Kometenschweifs zu sehen und der hellste ging mitten durch α Aqr, oder Sedalmelik, dem mit etwa 2m9 hellsten Stern des Wassermanns. Welch einen gigantischen Schweif musste McNaught haben, wenn wir ihn von Fintel auf 5° nördlicher Breite aus sehen konnten? Anhand von Guide 8.0 konnten wir später rekonstruieren, dass der Schweif gegen 18 Uhr, als wir auf dem Feld standen, etwa 17° hoch stand, der Kometenkopf gleichzeitig aber rund 30° unter dem Horizont. Ein Schweif mit fast 50° Länge. Als klar war, was wir suchten, rief ich per Handy bei André Wulff und Hartwig Lüthen an. Leider konnte ich beide nicht direkt erreichen, aber André versprühte später einen Aufruf auf der GvA–Mailingliste und Hartwig hielt vom Botanischen Institut in Flottbek aus Ausschau nach der imposanten Erscheinung, die aber selbst in der Heide unter einem mittlerweile völlig aufgeklarten 6m0–Himmel relativ schwach erschien und eigentlich nur fotografisch zu dokumentieren war.

Und noch etwas sahen wir später auf den Aufnahmen: Christian meinte einen hellen Schimmer zu sehen, der genau in Richtung Kometenschweif lag. Beim Betrachten der Thumbnails auf seinem PC wurde klar: Wir hatten nebenbei auch noch das Zodiakallicht gesehen und fotografiert!

Einige meiner Aufnahmen litten leider unter dem Sturm und der Tatsache, dass der Schärfepunkt doch nicht exakt getroffen worden war. Aber auch Murphy hatte wieder seine Hand im Spiel. In einem kurzen Moment schickte er eine heftige Windbö vorbei, mein Fotostativ samt Kamera umwehte und im Matsch landen ließ – PANIK! KAMERA KAPUTT? Im Dunkeln war nichts zu sehen, und sie arbeitete auch erst mal weiter. Leider war dadurch die Schärfeeinstellung verloren gegangen und erst mal nicht mehr herzustellen. Selbst Wega in der Leier konnte nicht genutzt werden, um richtig scharf zu stellen. Dennoch gelang mir noch eine recht passable Aufnahme des aufgehenden Orions mit einem Baum davor.

Wenige Augenblicke wurde auch Christians Stativ umgeweht, aber er hatte mehr Glück: Ihm fiel die Kamera direkt in die Hand!

Als es uns in dem Sturm, der zwar den Himmel freigepustet hatte, aber unvermindert heftig an den Stativen riss und zerrte, zu kalt wurde (bei + 8° C) packten wir zusammen, natürlich nicht, ohne vorher einige Jokebilder aufzunehmen. Im Lichte meiner Heckklappe konnte ich auch endlich sehen, was passiert war. Die Kamera war nach links weggekippt und die Öffnung für die Anschlüsse für den Drahtauslöser, das USB–Kabel usw. vollkommen vermatscht. Alles andere schien aber in Ordnung zu sein.

Wieder beim Haus angekommen, sahen wir uns die Bilder an und waren schlicht begeistert. Christian schrieb mit klammen Fingern erste Aufrufe auf Astrotreff.de und Astronomie.de. Noch hatte keiner ähnliches Glück gehabt wie wir. Unsere Meldungen waren die ersten. Auch die Kometen–Mailingliste wurde mit Infos versorgt. Christian hatte vorher drei Bilder ad hoc bearbeitet und auf seine Homepage gesetzt und in den Meldungen einen link angegeben.

Zunächst schien es, als wären wir die nördlichsten Beobachter des Kometenschweifs gewesen, nachher gab Hartwig von Hamburg aus noch eine positive Meldung, allerdings hatten wir in Fintel die besseren Beobachtungsbedingungen. Wir waren restlos begeistert.

Und die Kamera? Christian ging nach dem Abendbrot, das aus Pizza und Cola bestand, mit Spezialwerkzeug ran und konnte, nachdem der Matsch in der Wärme getrocknet war, die Anschlüsse wieder reinigen. Danach fotografierte ich in seinem Garten weiter, und bis auf das Schärfeproblem funktionierte die Kamera einwandfrei, was am Ende der Beobachtungsaktion die Jokebilder eindrucksvoll bewiesen.

Wir konnten zufrieden sein. Für mich war es die erste Astroaktion seit sehr langer Zeit und die ersten Aufnahmen mit meiner neuen Canon 350 D bewiesen das Potenzial dieser digitalen Spiegelreflexkamera.

Auf der Rückfahrt sah ich dann von der B 75 aus, wie quer über Hamburg ein dickes Wolkenband lag und bei meiner Genossenschaftsgarage angekommen konnte ich noch einen Blick auf Orion werfen, bevor ich endgültig wieder zu Hause ankam.

 Und hier ein paar Bilder:



Venus und Mond, 20.01.2007, 18:00 Uhr MEZ, Canon EOS 350 D mit 70–300 mm,
Blende 1:4–5,6 bei f = 300 mm und Blende 5,6, ca. 10s bei ISO 400



Streamer des Kometen McNaught auf 53° nördlicher Breite (Fintel in der Nordheide),
20.01.2007, 18:23 Uhr MEZ, Canon EOS 350 D mit 28–90 mm, Blende 1:4–5,6 bei
f = 30 mm und Blende 1,6, ca. 20s bei ISO 800



Streamer des Kometen McNaught auf 53° nördlicher Breite (Fintel in der Nordheide),
20.01.2007, 18:32 Uhr MEZ, Canon EOS 350 D mit 28–90 mm, Blende 1:4–5,6 bei
f = 30 mm und Blende 1,6, ca. 20s bei ISO 800



Sternbild Orion, 20.01.2007, 20:44 Uhr MEZ,
Canon EOS 350 D mit 28–90 mm, Blende 1:4–5,6 bei
f = 30 mm und Blende 1,6, ca. 20s bei ISO 800

 


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