SIGMA 7 (MA-8)

Missionsname: Mercury-Atlas 8 (MA-8)
Eigenname: SIGMA 7
Besatzung: Walter M. Schirra
Start: 03.10.1962, 7:15 Ortszeit
Landung: 03.10.1962, 16:11 Ortszeit
Missionsdauer: 8 h, 56m 22s
Missionsbeschreibung:

Ein weiterer MERCURY-Testflug stand am 3. Oktober 1962 bevor. An der Spitze einer ATLAS 113-D sollte MA-8, so die offizielle Bezeichnung der Mission, vom Pad LC-14 starten. Walter M. Schirra hatte sich rechtzeitig an Bord der MERCURY-Kapsel begeben und wartete dort auf das obligatorische "go-for-launch". Der Countdown mußte nur ein einziges Mal, bei T -45 Minuten, angehalten werden, weil die Radarstation auf den Canarischen Inseln eine Fehlfunktion meldete. Die Störung wurde schnell gefunden und behoben, so daß nach 15 Minuten der Countdown fortgesetzt werden konnte.
Um 7:15 dann der Start: Die Triebwerke der ATLAS-Raketen zündeten wie erwartet und das MERCURY-Raumschiff stieg empor. Während dessen las er, so gut es ging, die Daten der Bordinstrumente ab und gab sie per Funk an die Bodenstation weiter. Das Raumschiff stieg höher und höher, der Pogo-Effekt trat wieder einmal auf und SIGMA 7 erreichte planmäßig die elliptische Erdumlaufbahn mit einem erdfernen Punkt bei 284 km über der Erdoberfläche und einem erdnächsten Punkt bei 161 km.
Kaum hatte er den Erdorbit erreicht, drehte er die Kapsel um 180° und flog, wie Glenn und Carpenter vor ihm, mit dem Hitzeschild voran um die Erde.

Schon nach den ersten Flugminuten stellte Schirra überrascht fest, daß, im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Missionen, keine Eiskristalle aus den seitlichen Steuerdüsen austraten und auch sonst keine ungewöhnlichen Beobachtungen gemacht werden konnten.

Aus den Erfahrungen der früheren Flüge war man daran gegangen, das Lageregelungssystem zu überarbeiten, da es immer wieder Probleme gegeben hatte, das Schiff exakt auf Kurs zu halten. Das aber war Voraussetzung für die im Rahmen des GEMINI-Programms geplanten Rendezvousmanöver im Erdorbit, die wiederum dazu dienen sollten, Erfahrungen für das APOLLO-Mondlandeprogramm zu sammeln. Der von der NASA betriebene Aufwand hatte sich gelohnt, die MERCURY-Kapsel ließ sich butterweich steuern und war auch sonst recht pflegeleicht. Zudem nutzte Schirra kaum die Handsteuerung, sondern ließ das Raumschiff von der Automatik um die Erde kreisen, dadurch erzielte er einen sehr geringen Treibstoffverbrauch, was ihm prompt ein Lob von Mercury Control einbrachte.

Zum Programm Schirras gehörten verschiedene Flugmanöver, durch die die Funktionsfähigkeit der seitlichen Steuerdüsen eingehender erprobt werden sollten. Auch hier zeigten sich keine Schwierigkeiten und alle vorgesehenen Flugsituationen konnten erfolgreich durchgespielt werden.

Während des Fluges mußte er ständig Beobachtungsdaten per Funk durch Kommentare oder Datenübermittlungen an Mercury Control durchgeben, wobei mehrere, über den Erdball verteilte Bodenstationen, ständig Verbindung hielten. Üblich war dabei auch die mehrfache Übermittlung des "status reports" des Raumschiffs.

Wie schon bei Scott Carpenter erwärmte sich auch Schirras Raumanzug, und zwar auf 31°. Das Kontrollzentrum hatte sich bereits auf einen Abbruch der Mission und die unmittelbare Rückkehr eingestellt, als es Schirra 90 Sekunden vor dem fraglichen Zeitpunkt doch noch gelang, die Kontrollen seines Anzuges zu regulieren und die Temperatur auf 27° abzusenken.

Mit Hilfe eines kleinen Periskops versuchte er, sowohl Details auf der Erde, als auch Objekte im Weltraum zu beobachten Dabei. blendete ihn die immer wieder ins Bildfeld hineinstrahlende Sonne sehr stark. Das Experiment bestand darin, über der Nachtseite der Erde mit dem Periskop die Position des Raumschiffs anhand dreier Referenzsterne zu bestimmen, so, wie es einmal die APOLLO-Astronauten machen müßten, um ihr Ziel, den Mond, zu erreichen. Hier offenbarte sich im übrigen das Problem, daß man die drei Sterne durch ein einziges Fenster anpeilen mußte. Dieses war aber in der MERCURY-Kapsel sehr klein; die Messung selbst wurde zu einer anstrengenden Angelegenheit.

Neben den üblichen technischen und biowissenschaftlichen Tests (einmal mußte Schirra mit geschlossenen Augen fliegen und auf Befehl bestimmte Tasten drücken, von neun Versuchen gingen nur drei daneben!) flog er die MERCURY-Kapsel für einige Zeit unabhängig von den Kontrollen der Bodenstation.

Bei der dritten Erdumrundung gab er ein längeres Radio- und Fernsehinterview, die von Millionen Hörern und Zuschauern in den USA verfolgt wurden und deutlich machten (machen sollten), wie sehr die MERCURY-Flüge für die USA schon zur Routine geworden waren.

Kurz nach Beginn der 6. Erdumkreisung begann Schirra sich auf die Landung vorzubereiten. Er ging die Checkliste durch, verstaute die Kameras in den dafür vorgesehenen Behältern und betrachtete die weitgehend wolkenverhangene Erdoberfläche. Er entkoppelte das automatische Flugleitsystem und flog im 14°-Wiedereintrittswinkel der Erde entgegen. Der Hitzeschild begann sich zu erwärmen, ein Teil der Wärme wurde auch an das Innere der MERCURY-Kapsel abgegeben, doch war Schirra nie ernsthaft gefährdet, da der Hitzeschild den größten Teil der Reibungsshitze auffing und kompensierte. Die Fallschirme öffneten sich wie erwartet.
SIGMA 7 wasserte um 16:11 Uhr Ortszeit im Atlantik, nahe den Bahamas und nur 4,5 Seemeilen vom Flugzeugträger KEARSAGE entfernt, dessen Besatzung die Kapsel mit dem darin wartenden Schirra aus dem Wasser fischte.

Schirra zeigte sich wenig später auf der Pressekonferenz enttäuscht darüber, daß dieser weitgehend problemlos verlaufene Flug nach nur wenigen Stunden wieder vorüber war.

FREEDOM 7 (MR-3)
LIBERTY BELL 7 (MR-4)
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AURORA 7 (MA-7)
FAITH 7 (MA-9)


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