FRIENDSHIP 7 (MA-6)

Missionsname: Mercury-Atlas 6 (MA-6)
Eigenname: Friendship 7
Besatzung: John H. Glenn
Start: 20.02.1962, 9:47:39 Ortszeit
Landung: 20.02.1962, 14:43:02 Ortszeit
Missionsdauer: 4 h, 55 min, 23 sec
Missionsbeschreibung:

Dieses war der erste Orbitalflug eines amerikanischen Astronauten, zudem der erste Flug mit der Mercury-Atlas-Kombination. Eine schubstärkere Trägerrakete war notwendig geworden, um größere Höhen zu erreichen, auerßdem hatte es immer wieder leichtere technische Probleme mit der REDSTONE-Rakete gegeben. Der erste Start mit der neuen ATLAS-Rakete erfolgte am 13. September 1961 mit einem Dummy, am 29 November 1961 startete das System mit dem Primaten Enos an Bord. Beide Flüge verliefen erfolgreich und vielversprechend, so daß man es wagen konnte, einen Astronauten in die MERCURY-Kapsel zu stecken.

Der Start war ursprünglich für die Ende 1961 geplant, dann aber aufgrund ungünstiger Witterungen und einiger technischer Probleme zunächst auf den 27. Januar 1962 verschoben worden. John Glenn hatte sich zu diesem Zweck bereits an Bord der MERCURY-Kapsel begeben. Doch vier Stunden nach Beginn des Countdowns wurde auch diese Mission wegen einer tiefhängenden Wolkendecke und der damit verbundenen schlechten Sicht auf das Raumfahrzeug während der Startphase abgebrochen.
Doch am 20. Februar war es nun endlich soweit. Das Raumschiff mit dem Eigennamen FRIENDSHIP 7 wurde, 1354 kg schwer, mit einer Altas-Rakete in eine elliptische Erdumlaufbahn mit einem Perigäum bei 161 km und einem Apogäum bei 261 km geschossen.

Während der 4 Stunden und 55 Minuten andauernden Mission umkreiste John Glenn dreimal die Erde und mußte während dessen eine ganze Reihe von Experimenten durchführen. Dabei standen Filmaufnahmen der unter dem Raumschiff hinweggleitenden Erdoberfläche, das Einnehmen von Tubennahrung, Beobachtungen von Sonnenauf- und -untergängen und einfache Bewegungstests des Astronauten in der Schwerelosigkeit auf dem Programm.
Allerdings verlief der Flug nicht vollkommen pannenfrei. So geriet die Fluglagestabilisierung kurzfristig außer Kontrolle. Glenn bekam das Problem aber dadurch wieder in den Griff, in dem er die automatische Steuerung ausschaltete und per Hand weiterflog. Dadurch mußten allerdings einige der vorgesehenen Experimente entfallen.

Eine seltsame Beobachtung machte Glenn nach dem ersten Sonnenaufgang im Orbit: Plötzlich sah er sich von einer Reihe heller Lichtpunkte umgeben, dessen Ursache er sich nicht erklären konnte. Weder handelte es sich hier um Reste von Nadeln, die die U.S. Air Force kurz zuvor mit einer Höhenforschungsrakete hochgeschossen hatte, noch um gefrorenen Wasserdampf, der nach Betätigen der Steuerdüsen, die unter hohem Druck Wasserstoffperoxyd in Wasserdampf und Sauerstoff verwandelten, austrat. Später stellte sich heraus, daß der beim Zünden der Steuerdüsen austretende Wasserdampf am Innern der Düse zu Eiskristallen gefror und von der aufgehenden Sonne erwärmt wurde und in den Weltraum hinaustrieb.

Die Telemetriedaten wiesen zudem eine Lockerung des Hitzeschilds für den Wiedereintritt auf, hervorgerufen durch eine vorzeitiges Ausklinken der dahinter liegenden Bremsfallschirme. Diese Schwierigkeit umging man folgendermaßen: Vor den eigentlichen Hitzeschild befand sich ein Paket mit Bremsraketen, das durch Stahlbänder gesichert war. Eigentlich war vorgesehen, diese Bändern vor dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zu lösen. Nun ließ man sie durch die Hitzewirkung einfach wegbrennen. Außerdem sorgten sie zusammen mit dem sich aufbauenden aerodynamischen Druck dafür, das der Schild in seiner Sollposition gehalten werden konnte.

Das aber funktionierte nicht ganz reibungslos. Die Stahlbänder schmolzen nicht, sondern brachen einfach mit einem heftigen Ruck ab, der im Innern der Kapsel deutlich zu spüren war. Zuvor hatte Glenn sei seinerdritten Erdumkreisung, 965 km über Kalifonien, die Bremsraketen gezündet und war in die Erdatmosphäre eingedrungen. Je mehr die Kapsel mit der Lufthülle der Erde in Berührung kam, desto stärker war sie von einem orangefarbenen Glühen umgeben, außerdem flogen 15 bis 20 cm große Teile am Bugfenster vorbei. Etwas schien sich vom Hitzeschild zu lösen, offenbar war das Paket mit den Bremsraketen nicht beim Abreißen der Stahlbänder abgefallen und nun flogen dessen Bestandteile davon.

Die Annäherung an die Eroberfläche glich einem farbenfrohen Spektakel, doch der Hitzeschild hielt den Beklastungen stand. Schließlich ging Glenn mit seiner Kapsel bei den Bahamas im Atlantik, 65 km vom eigentlichen Zielgebiet entfernt nieder und wurde 17 Minuten nach der Wasserung von Froschmännern des US-Zerstörers NOA geborgen.
Der Flug der FRIENDSHIP 7 hatte nicht nur gezeigt, daß ein Astronaut in der Umlaufbahn lebens- und arbeitsfähig war und er selbst kritische Situationen meistern konnte, er machte auch den Weg frei für weitere bemannte Raumflüge der USA.


FREEDOM 7 (MR-3)
LIBERTY BELL 7 (MR-4)
AURORA 7 (MA-7)
SIGMA 7 (MA-8)
FAITH 7 (MA-9)


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