Die bemannten Flüge der USA zum Mond sind längst Legende, doch ist ihre Geschichte auch heute noch von großem Interesse, das nicht zuletzt Dank dem Spielfilm APOLLO 13 mit Tom Hanks wieder angefacht wurde. Moderne Kommunikationsmittel wie das Internet ermöglichen es, über 25 Jahre nach der ersten erfolgreichen Mondlandung am 21. Juli 1969 Informationen und Bilder zu erhalten, die hierzulande kaum zugänglich sind. So ist der nachfolgende Artikel ausschließlich aus Berichten, Kommentaren und archivarische Aufzeichnungen entstanden, die über das Internet zugänglich sind. Da es zu weit führen würde, hier alle Web-Sites im Detail aufzuführen, sind am Schluß nur die wichtigsten genannt.
Die amerikanische wie die ehemals sowjetische Raketentechnik der 50er und 60er Jahre baute zum großen Teil auf Ergebnissen der deutschen Raketenforschung der Heeresversuchsanstalt in Peenemünde auf der Ostseeinsel Usedom auf, deren Höhepunkt im ersten erfolgreichen Abschuß einer V2 am 3. Oktober 1942 gipfelte. Nach dem 2. Weltkrieg konnte die Gruppe Wernher von Brauns, der namhafte Raketentechniker wie Walter Dornberger, Kurt Debus oder angehörten, mit erbeuteten V2-Raketen zunächst auf dem Testgeände der US Army in White Sands weitere Startversuche unternehmen.
Dem Start des ersten sowjetischen SPUTNIK am Oktober 1957 folgten mehr oder weniger mißglückte Versuche der USA, gleichzuziehen. 1958 wurde die "National Aeronautics and Space Administration" NASA gegründet und Präsident John F. Kennedys flammende Rede am 25. Mai 1961 vor dem amerikanischen Kongreß gab schließlich das Startsignal für eines der größten Unternehmen der Geschichte, der Landung eines Menschen auf dem Mond und seine sichere Wiederkehr zur Erde.
Zunächst galt es jedoch, Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Waffengattungen zu bereinigen. Wernher von Braun und seine ehemaligen Peenemünder wurden nach ihrer Ankunft in den USA der US Army unterstellt und bildeten dort die "Development Operations Division" der "Army Ballistic Missile Agency". Ihre Aufgabe bestand darin, Starts mit aus Nordhausen erbeuteten V2-Raketen zu unternehmen. Bürokratische Hürden verhinderten jedoch zunächst Weiterentwicklungen im großen Stil, da sie offiziell als Kriegsverbrecher galten und noch nicht einmal einen amerikanischen Paß vorweisen konnten. Der SPUTNIK-Schock änderte die Situation jedoch grundlegend und kurz nach Gründung der zivilen NASA (ein Akt, der die Differenzen zwischen US Army und US Marine endgültig beilegten) wechselte die Gruppe von Braun dorthin.
Das SATURN-Programm entsteht
Der nominelle Vorgesetzte der Gruppe von Braun, General John B. Medaris, hatte im Herbst 1958 dem amerikanischen Verteidigungsministerium die Entwicklung einer schubstarken ballistischen Trägerrakete vorgeschlagen, die den Namen SATURN tragen sollte. Das Pentagon stimmte angesichts der weltpolitischen Lage zu, schließlich befand man sich seinerzeit mitten im Kalten Krieg mit der Sowjetunion. Zwischen April 1957 und August 1958 entstand das neue Trägersystem auf dem Reißbrett bei der "Advanced Research Projects Agency" (ARPA) der US Army.
Ein erster Plan für eine Reihe von Teststarts der neuen SATURN-Rakete, die einen gigantischen Schub von 680000 Kilopond erreichen sollte, entwarfen General Medaris und Roy Johnson, Direktor der ARPA. Der erste Startversuch wurde ursprünglich für den September 1960 angesetzt. Schon acht Monate später sollte der dritte Start der SATURN 1 erfolgen.
Der Startplatz
Gleichzeitig mit der Entwicklung einer schubstarken Trägerrakete wurde die Wahl des geeigneten Startplatzes notwendig. Es war allen Beteiligten klar, daß nur ein Ort in Frage käme, der möglichst äquatornah sein müßte, um bei Starts in Richtung Osten einen Teil des energiesparenden Schwungs der Erddrehung mitzunehmen. In Florida gab es bereits seit 1947 ein Testgeände, das 1948 von der "Banana River Naval Air Station" übernommen wurde. Die US Coast Guard nutzte zudem seit 1950 einen Teil des Geändes für eigene Versuche. Der eigentliche, noch reichlich primitive, Weltraumbahnhof wurde am 19. Juli 1950 mit dem Start der BUMPER 7, einer modifizierten V2-Version und der WAC Corporal als zweiter Stufe gestartet. Im August 1953 wurde am nunmehr Cape Canaveral genannten Startplatz durch das "Missile Firing Laboratory" der ABSM der Testbetrieb militärischer ballistischer Flugkörper eröffnet. Die legendäre REDSTONE 1 war die erste vom Cape aus gestartete Rakete.
Mitte der 50er Jahre wurde dann der massive Ausbau der Startanlagen in Angriff genommen. Bis in die 60er Jahre hinein wurden hier verschiedene Starttürme, Kontrollbunker, Telekommunikationsanlagen, Fertigungs- und Montagehallen (wie das berühmte "Vehicle Assembly Building" von dem aus der "Crawler" (übrigens eine deutsche Konstruktion!( noch heute die Rakete zum Startturm transportiert) errichtet. 1959 schließlich entschied man sich, das Testgeände der "Atlantic Missile Range" am Cape für die Starts der mehrstufigen SATURN zu nutzen, da man hier sowieso den günstigsten Ort in den USA zur Erreichung geostationärer Orbits für Kommunikations- und Wettersatelliten besaß. Somit war Cape Canaveral, später in Cape Kennedy umbenannt, auch für Starts größerer Raketen bestens geeignet.
Allerdings war Cape Kennedy kein rein ziviler "Raumflughafen". Das spätere "Mondfluggeände", die "Cape Canaveral (Kennedy) Air Force Station" gehörte zur US-Luftwaffe und lag zwischen Atlantikküste im Osten und Banana River im Westen. An der gegenüberliegenden Seite des Flusses begann das eigentliche NASA-Geände mit dem Kennedy Space Center und dem berühmten Startkomplex 39-A. Auch heute noch werden militärische Raketenstarts von der Air Force Station, die zivilen von Merrit Island aus durchgeführt.
Die SATURN kommt zur NASA
Ende der 50er Jahre war die SATURN noch immer ein Projekt der US Army. Die Verantwortlichen der NASA erkannten indes die Bedeutung des neuen Trägersystems und so setzten sie alles daran, daß aus der militärischen SATURN ein ziviles Projekt wurde. General Medaris und Roy Johnson forderten in einer gemeinsamen Stellungnahme ebenfalls die Übergabe an die NASA, weil sie ebenfalls die Chance erkannten, das System zu einer Weltraumrakete weiterzuentwickeln.
1958 dann wurden die "Advanced Research Projects Agency" und die "Army Ballistic Missile Agency" dem Pentagon, 1960 das Marshall Space Flight Center und das Launch Operations Directorate (LOD) der NASA unterstellt. Der ehemalige Peenemünder Hermann Koelle, Chef des "Future Projects Office" der US Army, trieb die Entwicklung der SATURN voran, bereits 1959 konnten erste Pläne einer dreistufigen Version präsentiert werden.
Unterdessen stritten sich NASA und ARPA um die Vorherrschaft beim Nationalen Weltraumprogramm der USA. Es gab in der Folgezeit viel bürokratisches Gerangel zwischen diesen Einrichtungen bis schließlich Ende 1959 Präsident Dwight D. Eisenhower per Dekret entschied, daß die NASA für das zivile Raumfahrtprogramm, die ARPA für militärische Entwicklungen zuständig sei. So mußte die auch nichtmilitärischen Zwecken dienende SATURN der NASA übergeben werden (sie kam zum "Office of Launch Vehicle Program"), während sich die US Army auf Trägersysteme wie die Titan und die Centaur konzentrierte.
Die SATURN entwickelt sich
In den folgenden Jahren wurde das amerikanische Weltraumprogramm kontinuierlich und mit aller Macht vorangetrieben. Man sammelte Erfahrungen mit MERCURY- und GEMINI-Flügen in der Erdumlaufbahn, der Mond wurde mit RANGER, LUNAR ORBITER- und SURVEYOR-Sonden kartographiert und erkundet. Und trotz vieler bislang ungelöster technischer Probleme machte auch die Entwicklung der SATURN gewaltige Fortschritte. Am 27. Oktober hob 1961 (über ein Jahr später gegenüber der ersten Planung!) die erste zweistufige SATURN I vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral zu einem ballistischen Flug von 8 Minuten Dauer (Flughöhe 137 km, Flugstrecke 344 km) ab. Die zweite Stufe war allerdings bei den ersten vier Flügen eine Attrappe! Ihr folgte die weiterentwickelte SATURN 1B, die zwischen 1966 und 1968 erste unbemannte Probestarts ausführte. Parallel dazu entwickelte das Marshall Space Flight Center ein weitaus gigantischeres Fluggerät: die SATURN V, mit einer Höhe von 110,6m, einem Startgewicht von 2837kg war sie das geeignete Instrument, um Menschen zum Mond zu befördern.
Das APOLLO-Programm
Mit dem richtigen Instrumentarium in der Hand, konnte die NASA daran gehen, ihr ehrgeizigstes Projekt zu starten: APOLLO. Außer der geeigneten Trägerrakete benötigte man natürlich auch das eigentliche Raumfahrzeug ("Command Module" CM mit "Service Module" SM), das Mondlandegerät (LEM, "Lunar Excursion Module", später nur noch LM, "Lunar Module" genannt) und die vom SM abtrennbare Wiedereintrittskapsel.
Der erste, noch unbemannte Start in der vorgesehenen APOLLO-Konfiguration erfolgte am 26. Februar 1966 als AS-201 vom Startkomplex 34 ("Eastern Test Range") um 11:12:01 Eastern Standard Time (EST) mit einer SATURN 1B. Nach einer Flugdauer von 36 Minuten und 59 Sekunden ging die Wiedereintrittskapsel planmäßig um 11:49 EST im Atlantik nieder (Flughöhe: 488km, Flugstrecke: 8472km). Bergung der Kapsel durch die U.S.S. Boxer um 2:20 pm EST. Missionsziele waren der Test der Startrakete, die Funktionalität der 1. und 2. Stufe sowie der Command and Service-Module-(C/SM-) Kombination und dem LM-Adapter. Hier galt das besondere Interesse der NASA-Techniker den elektrischen Systeme an Bord des C/SM. Außerdem wurde die Beständigkeit des Hitzeschildes der Wiedereintrittskapsel unter einem flachen Eintrittswinkel erprobt.
Die nächste unbemannte Mission AS-202 startete am 25. August 1966 um 1:15:32 pm EDT, ebenfalls vom Complex 34 der Eastern Test Range in Cape Kennedy, wiederum mit einer SATURN 1B. Flugdauer: 33 Minuten, 28 Sekunden, Flughöhe: 1143km, Bergung um 11:17 pm EDT durch die U.S.S. Hornet im Atlantischen Ozean. Die Missionsziele waren fast identisch mit der AS-201, nur das dieses Mal das Reaktionsverhalten der APOLLO-Kapsel bei einem Ausfall der Hilfssysteme während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre und im Zusammenhang damit die Beständigkeit des Hitzeschildes getestet wurde.
Eine weitere unbemannte APOLLO-Mission begann am 5. Juli 1966, 10:53:17 a.m. EDT am Startkomplex 37B, Eastern Test Range Cape Canaveral. Unter der Bezeichnung AS-203 wurden erstmalig vier Erdumkreisungen mit der 3. SATURN V-Stufe, der S-IVB durchgeführt. Das Perigäum der leicht elliptischen Umlaufbahn lag bei 185km, das Apogäum bei 189km. Missionsziele waren der Test der S-IVB unter realen Bedingungen im Orbit, des Lageregelungs-, und des Temperaturkontrollsystems sowie die Treibstoffzufuhr aus den mitgenommenen Tanks. Eine Landung fand nicht statt. Die Stufe verglühte beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Die Manövrierfähigkeit der S-IVB war insbesondere deswegen von Bedeutung, weil in ihrer Ladekammer das Lunar Module untergebracht werden sollte, das man mit der C/SM-Einheit erst kurz vor Eintritt in die Mondumlaufbahn herausziehen wollte.
Die Katastrophe
Unterdessen begann die NASA Teams aus jeweils 3 Astronauten zusammenzustellen, die ein gemeinsames Trainingsprogramm absolvieren und später auch gemeinsam fliegen sollten. Am 21. März 1966 erhielten die Astronauten Gus Grissom, Edward White und Roger Chaffee die Mitteilung, das sie für den ersten bemannten APOLLO-Flug (AS-204) vorgesehen waren. Die Ersatzcrew bildeten James McDivitt, David Scott und Russell Schweickart. Sie sollten 14 Tage lang die Erde umkreisen und dabei schon eine ganze Reihe wichtiger Experimente für die künftigen Mondflüge ausführen. Der Startplan sah für den 21. Februar 1967 den ersten bemannten Start der AS-Reihe vor. Es sollten mehrmalige Erdumkreisungen mit dem neuartigen Fluggerät durchgeführt und somit der Startschuß für das eigentliche Mondflugprogramm gegeben werden.
Am Mittag des 21. Januar 1967, einem Freitag, bestiegen die Astronauten Grissom, Chaffee und White auf der "Merritt Island Launch Area" die Kapsel an der Spitze einer unbetankten SATURN 1B, um eine über fünfstündige Simulation eines Starts unter Realbedingungen durchzuführen. Sie hatten ihre Raumanzüge übergezogen und waren über biomedizinische Sensoren sowie ihren Funkgeräten mit der Bodenkontrolle verbunden. Auf dem Startturm 34 befanden sich zudem Arbeiter und Techniker der Herstellerfirma North American Aviation, die die Simulation von außen überwachten. Während des Tests traten dann Probleme sowohl mit der Funkverbindung, als auch mit der Luftversorgung auf, die jedoch nicht zu einem Abbruch führten. Um 18:31 Uhr EST, T-10 Minuten vor dem lift-off rief Roger B. Chaffee plötzlich: "Weïve got a fire in the cockpit!" Eine TV-Kamera übertrug die schrecklichen Ereignisse zur Bodenkontrolle. Edward White war zu sehen, wie er die Arme über den Kopf hob und schrie: "Weïve got a bad fire. We burning up!" Ein schmerzerfüllter Schrei ein halbe Minute nach der Feuermeldung war das letzte, was man von den Astronauten hörte. Auf den Monitoren am Manned Spacecraft Center in Houston waren für wenige Sekunden noch Bilder voller Qualm zu sehen, dann brach die Verbindung ab.
Die am Cape sofort herbeigeeilten Hilfskräfte und Mitarbeiter der North American kamen zu spät. Sie konnten wegen der großen Hitzeentfaltung die Kapsel von außen nicht mehr öffnen. Grissom, White und Chaffee waren bei lebendigem Leibe verbrannt.
Eine umgehend eingesetzte Untersuchungskommission der US-Kongresses, dem Frank Borman und Max Faget (Manned Spacecraft Center), E. Barton Geer (Langley Research Center), George W. Jeffs (North American Aviation), Franklin A. Long (Cornell University und President`s Science Advisory Commitee), Colonel Charles F. Strang (Air Force Inspector Generalïs office), George C. White (NASA Headquarters) und John J. Williams (Kennedy Space Center) angehörten, legte bereits im April den 3000 Seiten umfassenden und 200 Aufnahmen enthaltenen Bericht vor. Ergebnis: Ein Kurzschluß hatte den reinen Sauerstoff in der Kapsel entflammt. Außerdem wurden etwa 200 Mängel im Entwurf, Konstruktion und Herstellung sowie die Außerachtlassung und Nichtaufstellung einer ganzen Reihe von Sicherheitsbestimmungen festgestellt. Fazit: Wenn alle diese Mängel behoben werden, besteht für künftige Astronauten aus dieser Richtung keine Gefahr mehr. Pikanterweise führten ähnliche Sicherheitsmängel 19 Jahre später, am 28. Januar 1986, zur Explosion der Raumfähre CHALLENGER, bei der sieben Astronauten starben.
Der Tod der Astronauten und das Ergebnis der Untersuchungskommission führten dann zu einem neuen Sicherheitsdenken bei der NASA, aber auch zu der Frage, ob, wie von Präsident Kennedy vorgegeben, überhaupt noch eine Landung von Menschen auf dem Mond vor Ablauf des Jahrzehnts möglich war.
Umtitelung
Zu Ehren der Astronauten Grissom, Chaffee und White wurde die Mission AS-204 in APOLLO 1 umbenannt, die erfolgreichen Testflüge AS 201 in APOLLO 1A, AS 202 in APOLLO 2 und AS-203 in APOLLO 3. Im April 1967, nach Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes, schlug das "NASA Project Designation Committee" vor, den ersten Flug mit einer SATURN V, Projektbezeichnung AS-501, in APOLLO 4 umzutaufen und danach die Zählung einfach fortzuführen. So kommt es, daß die APOLLO-Missionen 2 und 3 vor APOLLO 1 in den Orbit abhoben!
Weitere umbenannte Testflüge
Bis zur Wiederaufnahme der APOLLO-Flüge war indes noch ein weiter Weg. Zunächst mußten alle konstruktiven Mängel behoben werden. Sowohl die Konstruktionen des Command Module wie die des Service Module wurden gründlich überarbeitet. In der APOLLO-Kapsel wurden alle leicht brennbaren Materialien ausgetauscht, ein neues Sicherungssystem sorgte dafür, daß die Astronauten im Bedarfsfalle sich leichter befreien konnte, außerdem wurde seit dem bei Simulationstests auf dem Boden ein Sauerstoff-Stickstoff-Gemisch verwendet, während man bei den Flügen nach wie vor auf reinen Sauerstoff setzte, der unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit schwerer entflammbar ist. Die Installation neuer Überwachungseinrichtungen sorgte zudem dafür, daß Betriebsstörungen noch rechtzeitiger erkannt wurden. Das neue Sicherheitsdenken der NASA zeigte schnell Erfolge
Doch zuvor mußte der amerikanische Kongreß davon überzeugt werden, daß die neuen Sicherheitsstandards nicht nur den Anforderungen entsprachen, sondern auch weitere Milliardenausgaben im US-Haushalt rechtfertigten. Im Mai 1967 legte man den Abgeordneten aktualisierte Berichte und das ebenfalls überarbeitete Konzept der SATURN V sowie einen neuen Startplan vor. Damit sollte dem Kongreß demonstriert werden, daß sich die NASA vom Schock der gescheiterten APOLLO 1-Mission erholt und die geforderten Verbesserungen, vor allem in organisatorischer Hinsicht, vorgenommen hatte. Man stimmte schlußendlich, auch aufgrund der massiven Intervention Wernher von Brauns zu, der die politisch Verantwortlichen von der nach wie vor realen Durchführbarkeit bemannter Mondflüge überzeugte. Der Start der APOLLO 4 mit einer dreistufigen SATURN V als Trägerrakete wurde auf den Herbst 1967 terminiert.
Die APOLLO-Flüge gehen weiter
APOLLO 4 setzte in mehrfacher Hinsicht einen Meilenstein in der Geschichte der Mondflüge. Bei einem Scheitern wäre das Mondprogramm der USA mit großer Wahrscheinlichkeit eingestellt worden. Ein Erfolg würde den Weg zum Mond weisen. Zum ersten Mal wollte die NASA mit APOLLO 4 die neue dreistufige Trägerrakete SATURN V einsetzen und zum ersten Mal würde ein Start vom "Launch Complex 39-A, Eastern Test Range, Cape Canaveral" aus erfolgen.
Die Startvorbereitungen wurden akribisch genau und präzise ausgeführt, denn es durfte keine Pannen geben. Am 9. November 1967 war es schließlich soweit. Um 7:00:01 EST morgens zündeten die Triebwerke der 1. Stufe der SATURN V und hoben das 2700t schwere Gefährt empor. Die erste Phase des Fluges verlief planmäßig, die Zündung der 2. Stufe und 3. Stufe waren ebenfalls erfolgreich und transportierten APOLLO 4 auf eine Parkbahn in 185km Höhe über der Erde. Nach zwei Erdumkreisungen wurde dann die 3. Stufe (sie war mit der 2. Stufe der SATURN 1 B identisch) erneut gezündet und das Raumschiff auf 17000km Flughöhe geschossen, wo sie abgestoßen wurde, wieder zur Erde zurückfiel und in der Atmosphäre verglühte. Nun aktivierte man per Funk das Triebwerk des Service Modules, es beförderte APOLLO 4 auf eine Flughöhe von nunmehr 18079km und diente als erster Test für den Einschuß in die Mondübergangsbahn.
Neben diesen Flugmanövern diente APOLLO 4 den schon mit AS-202 und AS-204 begonnenen Tests der Struktur und Dynamik von Command Module und Service Module in unterschiedlichen Flugsituationen, der Funktionaliät der elektrischen Systeme und Untersuchungen der Stabilität des Hitzeschildes beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Insgesamt 2862 Tests waren in der kurzen Flugzeit absolviert worden und gaben Aufschluß über den Stand der technischen Einrichtungen im Trägersystem und dem APOLLO-Raumschiff.
Die Landung der APOLLO-Kapsel erfolgte am 9. November 1967 um 15.37 Uhr EST im Pazifik, wo sie 16 km von der U.S.S. Bennington entfernt an drei Fallschirmen niederging.
Die Mission APOLLO 4 war erfolgreich und von so wenig Störungen gekennzeichnet, daß man daran gehen konnte, neue Flugpäne aufzustellen. NASA-Pressesprecher Phillips ließ sich ob dieser Tatsachen sogar dazu hinreißen zu verkünden: "APOLLO is on the way to the moon".
APOLLO 5 testet das Lunar Module
Ursprünglich war der erste Test des Mondlandefahrzeugs LM-1 für den 16. November 1966 geplant, es gab jedoch Verzögerungen beim Bau, so daß der erste Einsatz auf den 27. Juni 1967 verschoben wurde und dann kam die Katastrophe vom 27. Januar 1967 dazwischen. Nach dem Erfolg von APOLLO 4 wollte man zügig mit dem Mondflugprogramm fortfahren und so legte man den Starttermin von APOLLO 5 auf den 22. Januar 1968. Der Countdown mußte allerdings für 228 Minuten unterbrochen werden, weil ein Meßfühler eine zu hohe Temperatur in der Wasserkühlung der Trägerrakete SATURN 1B registrierte, was sich aber als Fehlermeldung im Computer herausstellte.
Um 17:48:08 EST hob APOLLO 5 vom Startkomplex 37B, Eastern Test Range, ab. In der Ladebucht der 2. Raketenstufe, der S-IVB (die der SATURN V als 3. Stufe diente), befand sich das Lunar Module. Nach dem Ausbrennen der 2. Stufe war der geplante Orbit erreicht. Das Perigäum der Umlaufbahn lag bei 167km, das Apogäum bei 961km. Zwei Erdumkreisungen später wurde das Mondlandefahrzeug aus der 2. Stufe herausbefördert. Die LM-eigenen Triebwerke zündeten für 38 Sekunden. Planmäßig meldeten die Sensoren an Mission Control in Houston, daß eine zu geringe Flughöhe erreicht worden war. Später zündete das Triebwerk abermals für 33 Sekunden, das Perigäum verlagerte sich auf 171km Höhe. Damit testete man die Möglichkeit, die Mondfähre nach einem Zwischenfall durchzustarten und zum Command Module zurückzufliegen. LM-1 war hierfür allerdings nicht voll betankt worden, wie das bei einem Flug zum Mond der Fall sein würde.
Man brachte das Mondlandeflug anschließend kontrolliert zum Absturz, in dem man es wie bei der vorgesehenen Mondlandung herumdrehte und mit den Landetellern voran in Richtung Erde steuerte. Nach insgesamt vier Erdumkreisungen verglühte sie am 12 Februar 1968.
APOLLO 6: Wieder mit der SATURN V
Die Erfolge mit den beiden vorangegangenen APOLLO-Missionen hatten den Verantwortlichen der NASA gezeigt, daß Command Module und Service Module ohne Störungen arbeiteten, das Lunar Module kurz vor der Einsatzreife stand und auch die verwendete Trägerrakete SATURN V das hielt, was sich die Konstrukteure von ihr versprachen. Für die NASA-Planer stand fest, daß es noch eine unbemannte Mission geben würde, bevor man drei Astronauten mit APOLLO 7 ins All schicken konnte.
Daß Hochtechnologie nie ganz unproblematisch ist, wurde schon kurz nach dem Verlassen des Vehicle Assembly Building am 6. Februar 1968 deutlich, als der Crawler mit der SATURN V wegen starken Regens, ein anderes Mal aufgrund einer Störung der Funkverbindung mit dem CM anhalten mußte. Zuvor waren bei Strukturtests am 15. Januar an der Außenhaut des Tanks des SM feine Haarrisse entdeckt worden, die man aber beseitigen konnte. Trotzdem verzögerte sich der Start nicht. Er erfolgte am 4. April 1968 planmäßig um 07:00:01 EST vom Startkomplex 39A, Eastern Test Range, Cape Canaveral.
Damit hörten die Probleme aber noch nicht auf. Die 1. Stufe der SATURN 5 brannte 2 Minuten lang, wobei für 30 Sekunden die Meßinstrumente im Cockpit des CM starke Vibrationen (Pogo) registrierten, die über dem gesetzten Limit lagen, aber noch nicht kritisch waren. Kurz nach Zündung der 2. Stufe fielen dann zwei der fünf Raketenmotoren aus. Dadurch erreichte APOLLO 6 zunächst nicht die vorgesehene Flughöhe für die Zündung der 3. Stufe. Man konnte den Ausfall jedoch dadurch ausgleichen, daß die inzwischen bewährte S IVB mit 280 Sekunden änger als geplant brannte und so doch noch die richtige Erdumlaufbahn mit einem Perigäum von 178km und einem Apogäum von 367km Höhe über der Erde erreichte.
APOLLO 6 verweilte nun erst einmal für zwei Umkreisungen auf der Parkbahn, während denen die an Bord befindliche 70mm-Kamera die Erdoberfäche mit einer bis dato unbekannten Detailfülle fotografierte. Anschließend wurde ein kompletter Systemcheck durchgeführt. Das Ergebnis war positiv und man konnte fortfahren. Als nächstes wurde das Triebwerk des SM für 442 Sekunden gezündet und APOLLO 6 auf eine Bahnhöhe von 22200 km gehoben.
Eine der Zielsetzungen der APOLLO 6-Mission war die Simulation des richtigen Wiedereintrittswinkels aus der Übergangsbahn vom Mond zur Erde. Dazu ließ man das Raumschiff von 22209km Bahnhöhe zur Erde zurückkehren, die Kommandokapsel wurde vom Service Module abgekoppelt und fiel mit 10000m/sec. in Richtung Erde. Ihr Hitzeschild hielt den enormen Belastungen problemlos stand und mit großer Präzision ging sie um 17:23 EST, an drei Fallschirmen hängend genau im Zielgebiet im Pazifik nahe des Bergungsschiffes U.S.S. Okinawa nieder.
Das gleiche Flugmanöver auf der simulierten Mondrückflugroute mit der 3. Stufe der SATURN 5 scheiterte an einem Bruch einer Treibstoffleitung zum Zünder, so daß der Raketenmotor nicht erneut gestartet werden konnte.
Trotz der Probleme mit der SATURN V war die NASA nun mehr denn je davon überzeugt, daß man es doch noch schaffen könnte, vor Ende des Jahrzehnts Menschen auf den Mond zu bringen und wieder zurückzuholen. In der Presse fanden die neuerliche Pannen mit der APOLLO allerdings kaum Resonanz, weil an diesem Tage der farbige Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger Martin Luther King ermordet wurde.
So startete APOLLO 7 mit den Astronauten Walter M. Schirra, Donn F. Eisele und R. Walter Cunningham am 11. Oktober 1968 zur ersten bemannten Mission seit dem Unglück vom 27. Januar 1967 und umrundete die Erde für einen ängerfristigen Test von CM und SM.
Weitere APOLLO-Highlights
Mit APOLLO 8 (21.-27. Dezember 1968, Astronauten Frank Borman, James A. Lovell Jr., William A. Anders), APOLLO 9 (3.-13. März 1969, Astronauten James A. McDivitt, David R. Scott, Russell L. Schweickert) und APOLLO 10 (18.-26. Mai 1969, Astronauten Thomas P. Stafford, John W. Young, Eugene A. Cernan) wurden die Vorbereitungsflüge für die bemannte Mondlandung fortgesetzt. APOLLO 11 (16-24. Juli 1969) landete schließlich mit den Astronauten Neil A. Armstrong und Edwin E.Aldrin auf dem Mond, während Michael Collins in der Umlaufbahn verblieb. APOLLO 12 (14.-24. November 1969, Astronauten Charles Conrad Jr., Richard F. Gordon, Alan L. Bean) landete unweit der unbemannten Mondsonde SURVEYOR 3 und brachte Teile davon zur Erde zurück. APOLLO 13 (11.-17. April 1970, Astronauten James A. Lovell Jr., John L. Swigert Jr., Fred W. Haise Jr.) endete nach einer Sauerstoffexplosion im Service Module fast in einer erneuten Katastrophe. APOLLO 14 (31. Januar - 9. Februar 1971, Astronauten Alan B. Shepard Jr., Stuart A. Roosa, Edgar L. Mitchell) landete in der für APOLLO 13 vorgesehenen Taurus-Littrow-Region. APOLLO 15 (26. Juli - 7. August 1971, Astronauten David R. Scott, Alfred M. Worden, James B. Irwin) brachte das erste Mondauto mit. APOLLO 16 (16.-27. April 1972, Astronauten John W: Young, T. Kenneth Mattingly II, Charles M. Duke Jr.) setzte erstmals in einem der Hochänder des Mondes auf. APOLLO 17 (7.-19. Dezember 1972, Astronauten Eugene A. Cernan, Ronald E. Evans, Harrison H. Schmidt) schließlich verbrachte mit 3 Tagen, 2 Stunden und 59 Minuten die meiste Zeit auf dem Mond und war zugleich bis heute die letzte bemannte Mondlandung!
Quellen (u.a.:):
Courtney G. Brroks, James A. Grimwood, Lloyd S. Senson Jr.: Chariots for Apollo
W. Büdeler: Das APOLLO-Projekt, Gütersloh (1969)
A. Chaikin: A man on the moon, New York (1995)
zurück zur Themenübersicht
zurück zur Homepage
© Manfred Holl, Impressum