09.01.2001: total
Es war die einzige totale Mondfinsternis, die man in diesem Jahr von Deutschland aus sehen konnte und wieder hatte mein Verein, die Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V. (GvA) in Hamburg eine öffentliche Beobachtungsaktion geplant, die vor dem Gebäude des Planetariums im Wassersturm (Stadtpark) den Besucherinnen und Besuchern die Finsternis an den dort aufgestellten Teleskopen zeigen sollte.
Ich hatte die Beobachtungsaktion teilweise mitgeplant, gab zwischendurch einige kleinere Interviews, der Fernsehsender SAT 1 war mit einem Drehteam vorbeigekommen und das Hamburger Abendblatt begnügte sich mit einem Telefoninterview. Da die eigentliche Pressearbeit auf mehrere Mitglieder verteilt war, konnte ich immer wieder mal auch den Mond beobachten.
Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus, als ob man überhaupt etwas zu sehen bekommen würde. Die Wettervorhersagen waren insgesamt uneinheitlich, mal wurde ein Aufklaren während der Finsternis, mal erst in der darauffolgenden Nacht oder am nächsten Tag prognostiziert. Insgesamt also ziemlich unsichere Aussichten. Am Tage waren ab und zu am Südhorizont größere Wolkenlücken auszumachen, die aber am Nachmittag mehr und mehr verschwanden.
Schließlich fing es gegen 17:30 Uhr sogar an zu regnen und auf der Fahrt in den Stadtpark fragte ich mich immer wieder, ob ich nicht verrückt sei, bei dem Wetter auf eine Sichtbarkeit der Mondfinsternis und auch noch Leute zu hoffen, die zur Beobachtung vorbeikommen würden. Zuvor hatte ich den Mond schwach durch hohe Schleierbewölkung etwa 15° über dem Horizont „entdeckt”, der sich dann aber schnellstmöglich wieder hinter Wolken verbarg.
Es regnete auch noch, als ich ankam und erst einmal die Szenerie begutachtete. Irgendwann ließ der Regen nach. Aus Kiel hieß es, dass dort aus nördlicher Richtung verstärkt Wolkenlücken herüberkamen. Wir konnten also wieder hoffen. Aber hier in Hamburg herrschte nach wie vor eine typische Westwindlage vor. Plötzlich rief einer meiner Mitbeobachter auf der Beobachtungsplattform des Wasserturms, der Repsold-Sternwarte, dass der Mond zu sehen sei. Und tatsächlich: Die Wolken wurden allmählich dünner, aber nicht von Norden her, sondern aus Westen. Das alles erinnerte mich doch stark an die Sonnenfinsternis 1999. Auch da beobachteten wir drei verschiedene Wolkenschichten in unterschiedlichen Höhen und die Sonne zu erwischen, war ein reines Glücksspiel. Hier war es nicht anders.
Die partielle Phase war in den Wolkenlücken klar auszumachen, und je näher der Zeitpunkt des Beginns der Totalität um 20:50 Uhr rückte, desto klarer wurde die Sicht. Inzwischen hatten sich etwa 60 bis 70 Besucher und Besucherinnen vor dem Planetarium versammelt, um durch die Teleskope, durch mitgebrachte Ferngläser oder einfach nur mit bloßem Auge das Schauspiel zu verfolgen. Wenngleich der Blick durch das Fernrohr beeindruckend war, der schönste Anblick ergab sich eigentlich eher durch das Fernglas oder ohne ein optisches Hilfsmittel. Interessant im Fernrohr war vor allem die Annäherung des rötlichen Mondes an einen Stern, die Bedeckung konnte ich wegen anderer Verpflichtungen dann nicht beobachten.
Während der Finsternis, sie war nach meiner Einschätzung etwa mittelhell, nach Danjon 3, war am nördlichen Mondrand der typische helle Saum zu sehen und es war einfach ein schönes Naturschauspiel, den kupferroten Mond inmitten der ihn umgebenden Sterne zu beobachten. Ab und an zogen zwar einige Wolkenfetzen durch, die aber die Stimmung vor Ort nicht trüben konnten. Da ich nebenher die eine oder andere Frage von Besuchern beantwortete (leider waren auch dieses Mal wieder einige Mystiker darunter, die, auch vor laufender Kamera, unbedingt kundtun mussten, dass der Mond ihr Leben leitete und die Mondfinsternis etwas ganz besonderes sei), konnte ich nicht den ganzen Verlauf beobachten und leider das Ganze auch nicht per Video festhalten.
Noch vor Ende der Totalität kamen wieder stärkere Wolkenschichten auf, die den klaren Blick verschleierten, so dass viele Beobachter das Gelände vorzeitig verließen, doch einige hielten tatsächlich bis zum Ende durch. Die nachfolgende partielle Phase interessierte - wie typischer Weise auch bei Sonnenfinsternissen - niemandem mehr so richtig.
Ich beeilte mich nun, nach Hause zu kommen, um vielleicht die partielle Phase noch mit der Videokamera aufnehmen zu können, aber als ich aus dem Auto ausstieg, war der Himmel schon wieder vollkommen zu. Wir hatten großes Glück gehabt, bei dieser Mondfinsternis. Wie man noch am selben Abend oder am nächsten Tag auf der NAA-Mailingliste nachlesen konnte, war das durchaus nicht überall der Fall., so dass trotz der Tatsache, dass man keine eigenen Aufnahmen zustande gebracht hat, die ganze Aktion ein voller Erfolg war!
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